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L300go: Der lange Kampf

Letztes Jahr, in der Vorweihnachtszeit, fragte mein Neurologe mich, ob ich mir die Nutzung eines Nervenstimulators vorstellen könnte. Ich wusste zunächst nichts damit anzufangen, rief aber mal hier um die Ecke ein großes Sanitätshaus an. Dort lernte ich das Gerät kennen und war gleich hell auf begeistert. Endlich konnte ich wieder richtig laufen, auch wenn es am Anfang doch etwas ungewohnt ist, beim Laufen leichte Stromschläge zu bekommen.

Für die Vorlage bei der Krankenkasse mussten noch ein paar Vergleichsvideos gedreht werden. Dazu lief ich einmal so ganz ohne Versorgung, einmal mit einer festen Fußheberorthese und einmal mit dem L300go. Die Unterschiede hat mal nicht nur gesehen, ich habe sie ganz deutlich gemerkt. Anschließend war ich noch 10 Minuten neben an im Annastift im alten Treppenhaus unterwegs. Es war das erste Mal seit langem, dass ich diese Treppen ohne Nutzung des Treppengeländers laufen konnte.

Leider musste ich das Geräte dann wieder abgeben. Aber mein Feuer war entfacht, das Gerät will ich haben. Direkt vor Weihnachten habe ich noch die Verordnung vom Arzt dort abgegeben. Dann fing das Warten auf die Krankenkasse an. Beziehungsweise zunächst auf meinen Neurologen. Die Krankenkasse mahnte bei mir den Bericht 2 Mal an, die begriffen wohl nicht, oder es wurde nicht weitergegeben, dass er den ganzen Januar Urlaub hatte. Ende März erhielt ich die Absage von der Krankenkasse, die Medizinische Dienst hätte das Gerät abgelehnt. Ein paar Telefonate später erhielt ich auch das Gutachten von denen und ich konnte meinen Widerspruch schreiben.

Nach dem der geschrieben wurde und bei der Krankenkasse eingegangen ist, steuerten wir unaufhaltsam der ersten, gravierenden, Einschränkung wegen Corona zu. Ich bin eines Wochenendes, das letztes vor Ostern, zum Bäcker und stolperte anschließend sehr unglücklich, so dass ich kurzfristig wohl auch bewusstlos war, mir zumindest eine kräftige Beule und eine Gehirnerschütterung zugezogen habe. Mein Neurologe schrieb darauf einen netten Brief an die Krankenkasse, wo er nochmals auf die Notwendigkeit einer Versorgung hinweist. Gleichzeit gab es von meinem Physiotherapeuten, der mich bei dem Kampf sehr unterstützte, einen ersten Bericht, wo er auf die Notwendigkeit einer aktiven Fußhebung hinweist und aufzeigt, warum eine, passive, Fußheberorthese kontraproduktiv sei. Gleichzeitig wies er auf die Folgekosten hin, wenn nicht zeitnah eine Versorgung erfolgt: Knieprotothese links und wahrscheinlich auch rechts durch ungleichmäßige Belastung, eventuell auch neues Hüftgelenk, dazu käme dann noch die notwendige Anschlussheilbehandlung und die dann notwendigen Hilfsmittel.

Da ich nichts weiter von der Krankenkasse und dem Medizinischen Dienst hörte, fing ich an, ein bis zweil Mal die Woche bei dem zuständigen Fachzentrum der Krankenkasse anzurufen. Aber außer ein paar netten Plaudereien, dass sie auf Reaktion vom Medizinischen Dienst warten würden, tat sich zunächst nichts.

Bis zum Beginn der Sommerferien tat sich nichts weiter, außer meinen regelmäßigen Anrufen bei der Krankenkasse. Ich habe schon so aus lauter Spaß mal gesagt, mit den Leuten dort von der Telefonhotline im Fachzentrum bin ich bald per Du. Einzig die Information, dass wohl die Videodokumentation nicht die ausreichende Länge zur Beurteilung durch den Medizinischen Dienst hatte, war da noch rauszubekommen. Zusammen mit dem Sanitätshaus wurde, nach dem der notwendige Papierkram erledigt war, eine neue Dokumentation erstellt. Gerade beim Laufen auf der Treppe waren die Unterschiede zwischen der festen Fußheberorthese und dem L300go deutlich zu erkennen. 

Anfang der Sommerferien fuhr ich ein paar Tage mit meiner Familie an die Nordsee. Etwas Urlaub abseits des üblichen Trotts muss mal sein. Als ich wieder zu Hause war, lag dort eine Einladung des Medizinischen Dienstes. Das haben die geschickt gemacht, Anfang der Sommerferien die Einladung verschickt, und gleich den Termin eine Woche drauf festgesetzt. Aber so kurzfristig hatte zum einen ich keine Zeit und zum anderen war es mir nicht möglich, innerhalb von 2 Tagen ein L300go als Leihgerät zu bekommen. So musste ich den Termin, leider, absagen. Es machte aber im Grunde auch Sinn. So habe ich ein paar Wochen drauf das L300go für einen Monat als Leihgerät bekommen und konnte damit erste Versuche machen. Als ich Abends damit nach Hause kam, meinte mein Sohn nur ganz trocken: Papa, Du kannst ja wieder richtig laufen. Ja, es geht deutlich besser, aber ich muss auch noch vieles wieder lernen.

Bei dem Termin beim Medizinischen Dienst, lief eigentlich alles, wie ich es vorhergesehen habe, oder wie man im Grunde auch auf der Videodokumentation deutlich erkennen konnte. Mit dem L300go lief ich mit Abstand am besten. Nach anderthalb Stunden war die Begutachtung inklusive Smalltalk beendet und mir wurde eine schnelle Bearbeitung zugesagt. Ok, mit dieser Zusage hielt ich dann auch erst einmal still.

Nach dem ich im Internet Urteile von diversen Landessozialgerichten und des Bundessozialgerichtes zu ähnlichen Fällen gelesen hatte, erwachte wieder der Kampfgeist. So, jetzt muss es weitergehen. Ich will das Gerät haben. Ich habe die Urteile als PDF der Krankenkasse zugesandt, aber es gab keine Reaktion. So fing ich wieder mit telefonieren an. Ich war dort aber noch bekannt. 

Das Fass zum Überlaufen brachte dann eine Meldung der Krankenkasse bei Twitter, wie gut die Versicherten bei Ihnen mit Hilfsmitteln unterstützt werden. Diese Meldung lösste eine Welle des Protestes aus, wo ich mich mit meiner Erfahrung des letzten Dreivierteljahres drangehängt Es dauerte bis abends so zwischen 5 und 6, bis ich einen Anruf der Krankenkasse bekam. Das Beschwerdemanagement der Unternehmensleitung rief an. Ob ich mit dem Twitteraccount unterwegs wäre. Nach dem ich das bestätigte, gab es noch ein etwas längeres Gespräch, wo mir dann zugesagt wurde, dass sichum meinen Fall gekümmert wird.

Gleich am nächsten Tag dann ein Anruf vom Fachzentrum, man würde jetzt jeden Tag beim Medizinischen Dienst anrufen und mir mindestens einmal die Woche berichten. Nach etwas mehr als 2 Wochen dann der Anruf, dass mittlerweile auch der Leiter des Medizinizischen Dienst sich da eingeschaltet hat, oder eingeschaltet wurde.

Dann ging alles sehr schnell. Am Dienstag drauf war das Gutachten da. Es wurde das L300go zwar nicht direkt befürwortet, ob wohl bei dem auch eine deutliche Besserung zu sehen war, wie aus dem Gutachten hervorgeht. In Absprache mit dem Fachzentrum werden aber nicht noch Versuche mit dem, vom Medizinischen Dienst empfohlenen, Gerät  gemacht, sondern das L300go genehmigt. 

3 Wochen nach der Twitter-Meldung war die letzte Schlacht auch geschlagen, das Gerät ist bestellt! Jetzt brauche ich nur noch zu warten, bis ich es ausgehändigt bekomme.

 

Wird fortgesetzt....

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Letzte Änderung am  22.12.2018

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